Vor einem Jahr hatte die kleine Lünedrohne schon mal einen Blick auf die Reichsburg in Cochem geworfen. Gestern bot sich die Gelegenheit, eine Nacht in Cochem zu übernachten, direkt an der fröhlich plätschernden Mosel, die momentan aber gar nicht fröhlich plätschert, sondern unter dem Hochwasser brüllt.
Zwischen den Aufnahmen aus dem Oktober 2023 und heute liegen nicht nur fast ein Jahr, sondern auch eine ungleich aufwändigere Flugvorbereitung: Habe ich damals lediglich die einschlägigen Geozonen, Landschaftsschutzgebiete und NOTAMs überprüfen müssen, rücke ich jetzt mit so genannten Allgemeinerlaubnissen für Drohnenflüge in sechs Bundesländern an, zu deren Auflagen es gehört, die örtlichen Behörden über die geplanten Flüge zu informieren und aus der DJI Mini 4 Pro, die sich mit einer kleinen Nische im Rücksack zufrieden gab, wurde eine fette DJI Mavic 3 Pro, mit der ich einen ausreichend großen Abstand zu unbeteiligten Personen halten muss.
Was aber blieb: Das ständige FOMO, den richtigen Moment zu verpassen. Für „normale“ Fotografie mit der dicken Spiegelreflexkamera fehlt mir das Talent, in Bildbearbeitung bin ich immer noch ein Anfänger, aber bei Drohnenflügen habe ich mitunter das Glück, einmalige Motive zu erwischen.
Nur: Wann ist der Zeitpunkt für das einmalige Motiv? Morgens zum Sonnenaufgang, wenn im Moseltal ohne Sonnenlicht alles grau und grau dämmert, aber vielleicht ein paar Wolken von der Sonne gelb-rosa angestrahlt werden? Oder etwas später, wenn die ersten Sonnenstrahlen ins Tal scheinen, aber die eimalige Morgenstimmung längst vorbei ist?
Dieses Mal bestimmten die Frühstückszeiten des Hotels den richtigen Moment, denn Frühstück wurde ab 8 Uhr serviert und hungrig mochte ich nicht auf den Hügel steigen. So ergab sich dann kurz nach 9 Uhr der richtige Moment, in dem sich einerseits die Sonne durch eine Lücke im wolkenverhangenen Himmel den Weg zur Reichsburg bahnte, sich aber gleichzeitig eine kleine Wolke im Moseltal verlaufen hatte und unfreiwillig für den passenden Vordergrund sorgte. Fünf Minuten später war das Schauspiel wieder vorbei, die Sonne versteckte sich wieder hinter grauen Wolken. Glück gehabt.



